In der Kuba-Halle erklingt Rockabilly-Sound - rotzig und frech

Kennen Sie Wanda Jackson, jene Rockröhre aus den End-Fünfzigern, die mit Titeln wie Stupid Cupid oder Let’s have a Party ihre großen Erfolge feierte? Bei der gut besuchten Rockabillynacht in der Kuba-Halle war dieser Sound Samstagabend wieder zu hören.

Rotzig und frech, so klang das damals. Als Sandy Lee & The Wantons die Rockabillynacht-Bühne betreten, fühle ich mich gleich an Wanda Jackson erinnert. Genauso frisch, genauso frech spielt Lee ihre Bühnenshow, inklusive einiger Wanda-Jackson-Hits. Zuvor liefern die Heppcazz über eine Stunde ihre Neo-Rockabilly-Show ab. Schnell, mit enorm viel Druck, sorgen sie für eine volle Tanzfläche. Zum letzten mal in Wolfenbüttel, denn die Band löst sich nach der Abschiedstour auf, deren Auftakt der Gig in Wolfenbüttel bildete. Apropos Tanzfläche: Die leert sich den ganzen Abend nicht, die Stimmung im Publikum ist bestens, auch in der Umbaupause wird zur Musik vom Plattenteller fleißig getanzt.

In der Pause treffe ich eine Familie aus Barsinghausen wieder, die seit der ersten Rockabillynacht 2014 dabei ist. „Die Musik verkörpert für uns das Lebensgefühl der Aufbruchjahre nach dem zweiten Weltkrieg“, beschreibt Ulrike Langer. „Das hat bei mir mit alten Autos angefangen“, erzählt Ehemann Peter Langer. Ihn haben in den alten Filmen die Autos besonders fasziniert, dann das Design und die Mode jener Zeit. „Das wird meine erste Wohnungseinrichtung, habe ich mir damals gedacht“, lacht er. Und genauso kam es. Heute lebt die Familie komplett im Stil der 50er Jahre, inklusive Sohn Jannik. Der Elfjährige sammelt Automodelle, natürlich Oldtimer aus der Zeit. „Über 150 habe ich schon“, erzählt er stolz.

Echte 50er-Jahre-Kleidung sieht man Samstagabend wenig. Die meisten sind, anders als Familie Langer, Lookalikes, tragen moderne Kleidung mit einem Touch Rockabilly. Zwischendurch ist die Uniform eines GI’s zu sehen, ein schicker Anzug jener Zeit, dann wieder moderne Rock’n’Roll-Tanzsportkleidung. Womit wir wieder bei der Musik wären. „Elvis war für mich ein Gott“, erzählt Ulrike, wie sie zum Rock’n’Roll kam. Das war auch meine erste Berührung mit der Musik. Zuhause wurden auf Vinyl oder Tonband Elvis Presley, Fast Domino oder Jerry Lee Lewis gespielt und als in den 80er Jahren der Neo-Rockabilly in Gestalt von Shakin’ Stevens oder den Stray Cats gefeiert wurde, war ich dabei. Ein Stück von den Stray Cats steht auch bei Sandy Lee auf dem Programm. Und auch Elvis Presley darf natürlich nicht fehlen. Als in den Zugaben der Jailhouse Rock verklingt, geht auch eine rauschende Rocknacht zu Ende.

Der Termin für die nächste Rockabillynacht steht übrigens schon fest, verkündet ein sichtlich zufriedener Stefan Göpke, der die Nächte veranstaltet. Am 28. Januar 2017 gibt es ein Wiedersehen mit den Stars der ersten Auflage, mit Cherry Casino und den Gamblers. Dann gibt es wieder waschechten 50ies-Sound zu hören.