Ein durchgeknalltes Stück sorgt für Nachdenken

Es ist ein Balanceakt, das Thema Demenz unterhaltsam auf einer Theaterbühne zu präsentieren. Wenn das Ganze mit den Techniken der Shakespearebühne und dem skurrilen Humor einer finnischen Romanvorlage inszeniert wird, kann das richtig gut werden.

„Sommer der lachenden Kühe“ ist der Titel des Stücks, das Donnerstagabend im Lessingtheater gespielt wurde, nach dem gleichnamigen Roman des finnischen Autors Arto Paasilinna. Das Schauspielertrio auf der fast leeren Bühne spielt alle Rollen selbst, switcht, ganz Shakespeare-Theater, zwischen Geschlechtern und Figuren beinahe nach Belieben hin und her. Da wird der Erzähler zum alten, zerstörungswütigen Kriegskameraden des tragikomischen, dementkranken Helden Tavetti Rytkönen, tanzt Taxifahrer Seppo Sorjonen als Sänger durchs Publikum, um später eine von fünf französischen Veganerinnen im finnischen Wald zu sein, hockt Protagonist Rytkönen am Bühnenrand, um dem Publikum Demenz zu erklären, während er sich später kriegstraumatisiert albträumend auf der Bühne wälzt. Neue Freunde finden sich, dabei wechseln humorvolle und tragische Momente einander ab. Wechselnd erzählen die Protagonisten die Geschichte, dann folgen wieder Spielszenen. Der rote Faden: Eine Reise gen Finnlands Norden, an dessen Ende die gemeinsame Zeit mit Freunden auf einer Fähre steht, mit gemeinsamem Fischen, Bier trinken und – ja einfach nichts tun außer sein. Und die Krankheit? Sie verschwindet im Bild zugunsten der Freundschaft, steht nicht mehr, wie am Anfang noch, im Mittelpunkt des Geschehens.

Sind am Ende Freundschaft und das sich Einlassen auf das Unnütz sein fernab gesellschaftlicher Mechanismen ein Weg mit Demenzkranken umzugehen? Das ist schließlich eine Botschaft, die das Publikum nach dem vom Schauspielertrio Edgar M. Böhlke, Norbert Kentrup und Navid Akhavan großartig gespielten und von Regisseur Florian Schwartz ebenso in Szene gesetzten Stück mit nach Hause nehmen kann. Schwartz sitzt übrigens selbst auf der Bühne, steuert am Piano die „Filmmusik“ zu diesem ebenso durchgeknallten wie nachdenklich stimmenden Roadmovie bei. Eingangs hieß es, kann das. Am Ende muss es nicht kann heißen sondern ist. Denn der Balanceakt ist gelungen. Ein anspruchsvoller Theaterabend für den es schließlich donnernden Applaus gibt.