Seit 25 Jahren reisen Corvus Corax mit Mittelalterrock um die Welt. In Braunschweig wurden sie wild gefeiert.

Ende der 80er Jahre erlebte ich Corvus Corax erstmals livehaftig. Damals auf dem von Kramer Zunft und Kurzweyl veranstalteten Mittelaltermarkt in Braunschweig. "Ante Casu Peccati" (Vor dem Sündenfall) hieß die CD, die ich damals auf dem Burglatz erwarb.

Ein kleines gelbes Etwas voll mit so anders, so spannend und belebend klingender Musik.

Damals war diese Art, Musik zu zelebrieren, noch recht neu. Ein paar raue Gesellen in komischen Kostümen malträtierten auf wunderbare Weise Schlagwerk, Dudelsack und vielerlei Instrumente mehr. Das klang so ganz anders als die wenigen Ensembles, die sich bislang in der akademisch-musealen Interpretation der spärlichen schriftlichen mittelalterlichen Quellen versucht hatten.

Mit der Drehleier nach China

Seitdem bereiste die Band die Welt, begeisterte die Menschen von Japan und China über Europa bis hin nach Mexiko und den USA mit ihrer urtümlichen Musik. Zwischendurch stemmten sie ein Mammutprojekt - für ihre Neuinterpretation der Carmina Burana standen Corvus Corax zusammen mit 150 klassischen Musikern und Sängern auf der Bühne.

Dass Corvus Corax in den 25  Jahren ihres Bestehens nichts an Kraft und Faszination verloren haben, stellen sie derzeit bei ihrer Geburtstagstournee unter Beweis. Nahezu drei Stunden dauerte am Dienstagabend das Programm in der Braunschweiger Meier Music Hall, das die Fans im Vorfeld selbst zusammengestellt hatten.

Zwei Stücke aus jedem Album durften auf die Setlist, angefangen vom Debüt "Ante Casu" bis hin zum aktuellen Projekt "Gimlie". Nachdem das Konzert mit dem Totentanz etwas verhalten begonnen hatte, kam mit dem schnellen "Urmawie" Bewegung vor die Bühne.

Mit "Derdriu", "Sverker" und "Ragnarök" spielten die selbsternannten Könige der Spielleute im ersten Block einige Stücke der letzten beiden Alben, die sich ausschließlich mit nordischen und keltisch angehauchten Geschichten befassen. Reagierte das Publikum in der rappelvollen Meier Music Hall zunächst noch etwas verhalten, taute es zunehmend auf und kannte bei den Klassikern der Band kein Halten mehr. Zu Riesendrehleier, Trommeln, Schalmey und Dudelsack wurde mitgesungen und wild getanzt.

Das Trinkhorn an der Seite

"Mille anto passi sunt", "In Taberna" oder die von vielen Musikern interpretierten "Merseburger Zaubersprüche" sorgten für beste Stimmung im Saal. Im Publikum waren viele Fans der ersten Stunde. Sie sangen zahlreiche Lieder lautstark mit. Einige waren in mittelalterlicher Verkleidung gekommen, das obligatorische Trinkhorn an der Seite.

"Das haben wir zu Pfingsten auf dem Burgplatz zu Braunschweig gemeinsam gesungen", forderte Bandgründer Castus Rabensang schließlich das Publikum zum Mitsingen auf. So schloss sich beim gemeinsam besungenen "Platerspiel" der Kreis. Ein furioses Geburtstagskonzert.